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Sprich nicht
voller Kummer von meinem Weggehen, Mit dem Tod
Was passiert eigentlich, wenn wir sterben?
Wir haben alle einen gewissen Einfluss auf unseren Sterbeprozess, wenn der Mensch alt und sein Körper schwach geworden ist, stirbt er. Die Zellen, die der wichtigste Bestandteil unseres Körpers sind- aus ihnen bestehen Knochen, Organe, Blut und alles, was den Körper ausmacht, können nicht mehr neu gebildet werden.
Das Leben beginnt bekanntlicherweise mit der Teilung von Zellen- nämlich wenn Ei- und Samenzelle sich verbinden und sich endlos teilen, bis ein neuer Mensch entsteht. Im hohen Alter teilen sich diese Zellen nicht mehr. Sie hören auf zu wachsen. Der Alterungsprozess setzt übrigens schon sehr früh ein. Mit ca. 20 Jahren fängt der Körper langsam an, zu altern. Die Zellen bilden sich nicht mehr so schnell neu. Jeder hat sich schon einmal in den Finger geschnitten oder vielleicht den Arm gebrochen. Der Heilungsprozess besteht - stark vereinfacht- daraus, das der Körper neue Zellen bildet um die verletzte Stelle zu schließen. Im Alter ist der Körper nicht mehr in der Lage neue Zellen zu bilden. Organe werden schwächer, Knochenbrüche und Wunden heilen viel langsamer als in jungen Jahren. Und irgendwann ist der Körper einfach nicht mehr in der Lage, Lebenswichtige Funktionen aufrecht zu erhalten- der Mensch stirbt. Und das selbst, wenn man nicht krank ist- der Körper also keinen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt ist. Im Volksmund sagt man: An Altersschwäche gestorben. Das ist ein physiologischer Vorgang- das Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod, der Tod gehört zum Leben einfach dazu. Wie kann man den Tod beeinflussen? Ich glaube, das es möglich ist, bis zu einem gewissen Grad, den Tod hinaus zu zögern oder "selbst zu bestimmen". Das ist natürlich meine eigene Meinung, die allerdings auf Beobachtungen und Erfahrungen beruht, die ich in meinem Beruf bisher machen durfte. Ich arbeite als Altenpflegerin, und zu meiner Arbeit gehört auch der Umgang mit Sterbenden und Verstorbenen. Erfahrungen
Ganz deutlich wird es am Beispiel einer Bewohnerin, die ich vor mehr als drei Jahren begleitet habe. Sie lag nach einem Schlaganfall ganz schlecht, musste stündlich umgelagert werden um nicht Wund zu liegen. Die Atmung war bereits sehr schlecht, brodelnd und rasselnd. Übelriechendes Sekret lief ihr aus dem Mund, es war, als würde sie innerlich verfaulen, sie konnte weder essen, noch sprechen, oder sich selbständig bewegen. Es ist schwer einzuschätzen, ob sie mitbekam,. was um sie herum geschah, ob sie uns oder ihre Angehörigen wahrnehmen konnte. Diese Frau lag in diesem schrecklichen Zustand bereits drei Wochen und hat sich gequält. Die Tochter kam mindestens drei mal am Tag, saß mehrere Stunden am Bett der Mutter, hielt ihre Hand, befeuchtete ihre Lippen, sprach mit ihr. Jede Stunde bin ich oder eine Kollegin in das Zimmer gegangen, um sie umzulagern, zu säubern. Wir haben alles mögliche getan, um ihr die Situation zu erleichtern, ihr die beste Pflege angedeihen lassen, derer wir fähig waren. Alle Ärzte haben eng mit uns zusammengearbeitet, damit sie keine Schmerzen haben musste. Und doch konnte die Frau nicht sterben, obwohl ihr Körper bereits aufgegeben hatte. Es war wirklich mit das schlimmste, was ich in der Pflege gesehen habe. Im Zimmer der Bewohnerin stank es nach Exkrementen, faulig und eitrig. Die rasselnden Atemgeräusche und das gequälte stöhnen waren für die Angehörigen kaum zu ertragen. Die Tochter saß in dieser Zeit oft bei uns und weinte. Sie wünschte der Mutter den erlösenden Tod, der nicht kommen wollte. Ihre einzige Frage war: "Warum kann sie nicht endlich sterben?" Eines Tages saß die Tochter wieder bei uns und stellte mir diese Frage, was soll man darauf antworten? Ich habe dann gefragt ob die Mutter eventuell noch unerledigte Dinge hat, das Testament, oder ob noch ein Pastor kommen soll, vielleicht einen Menschen, den sie lange nicht gesehen hat, oder ein Streit, der nie bereinigt wurde. Nein, hat die Tochter gesagt, ihre Mutter habe alles genauestens geregelt, als sie noch gesund war, ein Pastor war schon da, und Streit hätte es ihres Wissens nicht gegeben. Allerdings hätte sie ihre Enkelin lange nicht gesehen. Vielleicht wollte sie sich noch von ihr verabschieden. Also wurde die Enkelin angerufen, die ca. 200 km weit weg wohnte. Diese kam auch, setzte sich an das Bett ihrer Oma und verabschiedete sich von ihr in aller Stille. Eine Kerze brannte auf dem Nachttisch, leise Musik lief im Hintergrund. Etwa zwei Stunden, nachdem die Enkelin gegangen war, verstarb die Dame friedlich und allein. Sie hatte sich bis dahin vier Wochen gequält, und dann schlief sie ein und sah nach allem, was sie in den vier Wochen durchgemacht hat, sehr friedlich und ruhig aus. Für die Angehörigen war es eine große Erleichterung, das die Mutter es endlich nach so langer Zeit geschafft hatte. Für mich wurde dadurch ganz deutlich, warum die Frau nicht sterben konnte: Sie hat auf ihre Enkelin gewartet- sie hatte genügend Zeit, sich von der Tochter zu verabschieden, diese kam ja täglich mehrmals, aber nachdem die Enkelin zu Besuch kam, konnte sie endlich loslassen und sterben. Das ist nur ein Beispiel von etlichen, die ich hier erzählen könnte. Viele Menschen habe ich sterben sehen, manche ruhig und friedlich, andere kämpfend und qualvoll. Aber ganz oft, habe ich gesehen, wie die Sterbenden noch auf etwas gewartet haben- entweder auf die Enkelin, wie im obigen Beispiel oder darauf, alleine zu sein. Nicht jeder möchte Leute um sich haben, Sterben ist so ein intimer Moment, den manche gerne für sich alleine ausmachen möchten. Sich evt. noch einmal vom Leben verabschieden, und dann in Ruhe einschlafen. Besonders alte Menschen spüren den nahenden Tod und sagen dies auch zuweilen. Einmal hatte ich gerade einem Bewohner sein Essen gereicht, als dieser meine Hand nahm und sagte: "Ich sterbe bald." Wir redeten lange über sein Leben und über das, was nach dem Tod kommen würde- und tatsächlich ist er zwei Wochen später gestorben, obwohl es außer dem hohen Alter keine Anzeichen dafür gab. Wenn man so oft mit dem Tod und Sterben konfrontiert wird, wie in meinem Job, bleibt es nicht aus, sich Gedanken darüber zu machen. Die eigene Sterblichkeit wird einem dann nur allzu bewusst. Wir sind alle nicht unsterblich. Das ist häufig der Grund, warum manche Menschen ihre Lieben nicht loslassen können. Sie merken einfach, auf eine ganz brutale Weise, das jedes Leben einmal zu Ende ist. Wir müssen akzeptieren, das der Tod zum Leben dazugehört. Wenn ein Mensch alt ist und sein Leben gelebt hat, ist es einfacher zu verstehen. Aber wenn Kinder krank werden und sterben müssen, fehlt einem dafür jegliches Verständnis. Möglicherweise hat alles einen Sinn, möglicherweise nicht. Jeder soll seinen eigenen "Sinn des Lebens" finden. Das wünsche ich Euch. Fotos by
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